Schluss mit Vorurteilen – Mit dem Bulli durch die Türkei

Wir fuhren von Bansko aus, ohne viele Pausen zwischendurch, direkt nach Istanbul. Nach den Aufständen in der Türkei, dem vermeintlichen Putschversuch, vielen negativen Nachrichten über Mr. E, waren wir am Anfang sehr besorgt über unsere Sicherheit. Nicht wegen den Menschen, eher aufgrund der Polizei, dem politischen System und dem Staat dahinter. Wir hatten zum Glück Kontakt zu einem ranghohen Offizier der Polizei über einen Kollegen von Ragle, was uns ein bisschen Sicherheit gab. Auch informierten wir uns vorher in Reiseberichten über die Türkei von anderen Bloggern mit jedoch sehr gemischten Resultaten.

Was uns als allererstes auffiel, war das Ergebnis der anhaltenden Inflation und Rezession in welcher sich das Land zurzeit befindet. Alles war spottbillig für uns und gleichzeitig teuer für Einheimische. Am besten erkläre ich das am Beispiel Brot: Innerhalb der letzten Jahre ist der Preis von einem Lira auf drei Lira gestiegen. Diese Steigerung um 300% lässt sich auf viele andere im Leben benötigte Dinge direkt anwenden. Trotzdessen war das meiste für uns immer noch halb so teuer wie zum Beipiel in Deutschland. Der Sprit kostete (bis zum Beginn des Krieges in der Ukraine) gerade mal einen Euro pro Liter.

Unsere erste Station war die Millionenmetropole Istanbul. Wir hatten uns für zehn Tage ein Apartment gebucht um die Stadt besser erleben zu können. Corona wurde sehr locker genommen und das Tragen einer Maske war für viele eher eine Empfehlung. Wir machten viele Kilometer zu Fuß in der Stadt, besuchten sowohl die europäische als auch die asiatische Seite und genossen das Flair der Stadt. Trotz unserer vieler Kilometer zu Fuß entdeckten wir gerade mal 10 Prozent der großen Metropole. Wir sind nicht sehr interessiert in Museen oder alte Bauwerke, deswegen deckten wir diesen Teil mit einer Stadtführung und einer Bootsfahrt auf dem Bosporus ab. Es ist alles schön anzuschauen und die Geschichte ist sehr interessant aber wir beide haben auf solche Dinge nie den Schwerpunkt gelegt. Wir lieben es durch große Städte zu spazieren, das Flair zu genießen, lokale Spezialitäten zu probieren und viele Eindrücke zu gewinnen. Dabei versuchen wir auch (so gut wie es eben geht) touristische Plätze zu vermeiden. Nach ein paar schönen Tagen in Istanbul zog es uns wieder auf die Straße.

Zusammenfassend über Istanbul ist zu sagen, dass man nicht viele Tage braucht um die großen touristischen Attraktionen abzuklappern. Wir wären länger geblieben um die kleinen Ecken und Winkel der Stadt, mit den gemütlichen Cafes und Restaurants noch besser zu erkunden. Auch alle großen Basare bestehen oft aus demselben Plunder und angeblichen Markenklamotten. Nicht nur Einheimische haben uns davon abgeraten auf einem Bazar einkaufen zu gehen, von Obst und Gemüse mal abgesehen. Auch kann man sich sicher sein, dass sobald nirgendwo ein Preisschild zu sehen ist, man als Tourist das dreifache bezahlt. Auch alles Ergebnis einer schwachen Ökonomie die seit ungefähr drei Jahren anhält. Trotzdessen ist die blühende Haupstadt eine pulsierende Ader welche nie zur Ruhe kommt und für jeden etwas zu bieten hat.

Nach Istanbul starteten wir unsere Fahrt durch die Türkei an der Südküste. Wir fuhren über die großen Städte Izmir, Bodrum, Antalya, Alanya bis nach Mersin immer an der Küste entlang und hatten eine wunderbare Zeit. Das Essen ist überall sehr billig und Obst und Gemüse konnte überall an der Straße oder im Laden frisch erworben werden. Egal ob Bananen, Kiwis, Orangen, Erdbeeren, ob Kartoffeln, Knoblauch, Oliven, Pistazien oder Avokados, alles wächst und gedeiht in der Türkei und schmeckt natürlich umso besser , da es nicht tausende Kilometer in einem Frachtcontainer gereift ist. Auch in den größeren Supermärkten fiel uns auf, dass viele der in Europa nur allzu bekannten Produkte der Marken wie Ferrero, Nestle etc. nicht im Sortiment waren und oft ein Pendant aus türkischer Produktion hatten. Es war wie im Paradies für uns.

 Wir konnten uns überall mit dem Auto hinstellen und übernachten ohne, dass es jemanden störte. Es gab überall Quellen mit frischem Trinkwasser (meist am Fuße eines Berges) und die Sonne lieferte uns mehr als reichlich Strom. Die großen Hauptstraßen waren alle 2 Spurig und traumhaft zu fahren, ohne Maut. An vielen Plätzen trafen wir unterschiedliche interessante Leute und hatten viele nette Gespräche. Eins haben die Türken allerdings noch nicht gelernt: Müll gehört nicht in die Natur sondern in den Mülleimer. Wir haben nur zu oft Türkische Familien beobachten können die nach einem Picknick am Strand ihren Müll einfach liegen ließen. Dieser wurde dann von den meist mit anwesenden wilden Hunden zerpflückt und zerstreut. Jeder Fluß, jeder Strand und jeder Wald in der Nähe von Raststellen oder Plätzen am Strand für die Öffentlichkeit, war zugemüllt. Es war meistens schwierig Fotos zu machen auf denen kein Müll zu sehen ist. Für Türken ist das Autofahren sehr teuer in ihrem eigenen Land. Die Steuern werden billiger je älter das Auto und je kleiner der Motor. Das führt dazu, dass die meisten Leute einen Tofas fahren. Diese Autos sind zwischen 30 und 50 Jahren alt und auch unter dem Namen Fiat 131 bekannt. Auch dadurch fühlte sich die Fahrt durch ländliche Gegenden wie eine Reise durch die Vergangenheit an. Einfache Farmer, Schäfer, Hirten und überall war eine andere Welt fernabseits der Großstadt. Viele konnten zu unserem Erstaunen auch die deutsche Sprache sprechen. Die meisten von ihnen waren damals in den 70’ern nach Deutschland gekommen um zu arbeiten und haben sich mit dem Ersparten dann eine eigene Existenzgrundlage in der Türkei geschaffen. Wiederum andere arbeiten in der Tourismusbranche und lernten es für ihren Beruf.  Es erinnerte uns sehr an Slowenien: Die ältere Generation sprach deutsch währen die jüngere Generation besser englisch reden konnte. Auch wir hatten inzwischen ein paar Wörter und Floskeln auf türkisch auf Lager was für den ein oder anderen erstaunten Blick und auch viel Lachen führte.

 Was mir sehr gefällt ist „Kolay gelsin“ wobei das „g“ eher als ein „j“ ausgesprochen wird. Übersetzt bedeutet dies “ Ich hoffe deine Arbeit ist leicht / wird leichter“ . Es kommt zum Einsatz wann immer man in einem Geschäft ist oder sich mit einer Person unterhält, die gerade einer Arbeit nachgeht. Wenn eine türkische Frau eine leckere Mahlzeit zubereitet hat, bedankt man sich mit „Ellerine Sağlık“ was auf deutsch so viel heißt wie „Gesundheit für deine Hände“. Es gibt hunderte solcher Floskeln oder Höflichkeitsformen, was ich sehr beneide, denn mir sind nur sehr wenige in meiner Muttersprache bekannt.

Ihr merkt es ürkisch ist eine höfliche Sprache und nicht anders haben wir die Türken kennen lernen dürfen.

Nach unserem Zwischenstopp in Mersin fuhren wir ins Landesinnere auf direktem Wege nach Georgien. Leider erlebten wir gerade in diesem Jahr den kältesten Winter seit 30 Jahren in der Türkei. Weg von der sonnigen Küste mussten wir uns bald ganz anderen Problemen stellen.

 Regelmäßig fingen die Temperaturen an unter den Gefrierpunkt zu wandern und oft waren wir aufgrund starken Schneefalls gezwungen an Tankstellen oder direkt neben der Straße zu übernachten. Die Natur wurde wilder, unberührter und schöner. Wir waren konstant auf fast 1700 Höhenmetern unterwegs und abseits der Hauptstraße lag überall ein Meter Schnee. Auch ist im Landesinneren der Tourismus eher selten weswegen wir hier wieder viel mit dem Übersetzer arbeiten mussten um uns zum Beispiel etwas zu essen zu kaufen. Wenn Ragle mal wieder einen Döner oder Dürum mit Lammfleisch wollte, kam es nicht selten vor, dass wir, dem Verständnis halber, einfach ein lautes „Mähhhh“ dem Angestellten entgegen blökten, um ihm unsere Fleischwahl klar zu machen. Der Zweck heiligt die Mittel 🙂

Ein anderes Problem welchem wir uns stellen mussten war das Einfrieren unserer Außendusche. Das war das letzte mal in Bosnien passiert und wir hatten gehofft es würde nicht wieder vorkommen. Falsch war in Kayseri, einer Stadt auf dem Weg inmitten der Türkei, in der wir uns das erste Mal in ein Türkisches Bad (auch Hamam genannt) wagten. Frauen und Männer gehen streng getrennt in diese Einrichtungen. Was einen erwartet ist, in der einfachsten Form, ein großes Bad (meist vollständig aus Mamor). Nicht einfach ein großer Pool, sondern ein Dampfbad, welches der Reinigung des Körpers und des Geistes dient. Wir bekamen in unserer eher luxoriösen Ausführung in Kayseri auch in den zusätzlichen Genuss einer finnischen Sauna, eines Peelings und einer Massage. Desweiteren wurde alles gestellt, von der Badehose über Seife bis zu den Handtüchern. Die feuchtwarme Atsmosphäre im Bad öffnet alle Poren und bereit einen perfekt für ein Peeling vor. In einem getrennten Raum wo die Massagen und Peelings durchgeführt werden, kam ich mir groteskerweise erstmal vor wie in einem Zuchthaus. Gefüllt mit 12 Tischen und je einem türkischen Masseur ( eher breit als groß und sehr haarig) wurde hier harte Arbeit verrichtet. Es klatschte am laufenden Band mit einem nicht allzuoft, viel zu lautem aufstöhnen des jeweiligen Massierten, wenn die Muskeln zur Entspannung durchgeknetet wurden. Nun das klingt jetzt eher wie eine Horrorversion, aber es fällt mir unglaublich schwer diesen Moment mit Worten zu beschreiben. Ich bekam einen Masseur names Ahmut welcher auch deutsch sprach und hatte erst eine viertelstunde Peeling gefolgt von einer Schaummassage, welche die gleiche Zeit in Anspruch nahm. Ich trat aus diesem Raum wieder heraus mit Babyhaut und konnte kaum laufen vor Entspannung :). Spaß beiseite. Es war eine super Erfahrung welche uns mehrmals aus der Not befreite, wegen eisiger Temperaturen, nicht duschen zu können.

Ein Pärchen welches wir unterwegs getroffen haben und ich unbedingt hier erwähnen möchte, waren Anton und Joni aus Belgien. Die beiden  haben wir zuallererst in einem Strand vor Manavgat getroffen und lediglich kurz beim spazieren geplaudert. Als wir diesen Strand verließen fuhren wir eine halbe Stunde weiter Richtung Osten und trafen Brahm (auch ein Belgier) welcher sich spät am Abend, in unserer Nähe, mit seinem altem Ford, im Sand festfuhr. Er reist schon sehr lange, hatte zwischendurch einen Wohnsitz in der Türkei, eine türkische Freundin und sproch besser türkisch als mancher Einheimischer. Auch an diesem Strand sahen Anton und Joni unser Auto, fuhren aber weiter. Einen Tag später dann trafen wir uns wieder zufällig am selben Strand für die Übernachtung und so beschlossen wir ein paar Tage zusammen zu fahren. Er ist ein Tischler und sie eine Töpferin. Beide waren in unserem Alter und hatten die selben Ansichten. Wir verbrachten viele Abende mit den beiden am Lagerfeuer oder zu viert in unserem Bus mit laufender Heizung, da es auch im März in der Türkei noch sehr kalt war. Ein Highlight war eine Wanderung durch einen Canyon in dem früher eine antike Stadt existierte. Wir waren fast den ganzen Tag unterwegs und hatten eine tolle Zeit mit vielen interessanten Eindrücken. Anton und Joni begleiteten uns bis nach Mersin, wo wir ein paar Tage zusammen die Stadt erkundeten, bevor wir uns trennten um später in Georgien wieder zusammen zukommen. Die beiden sind jetzt auf dem Weg in den Iran. Hoffentlich sehen wir uns wieder.


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Überwintern in Hopeland

Endlich und einen Tag früher als besprochen kamen wir am späten Nachmittag in Hopeland an. Schon von weitem wurden wir von vielen Hunden am Tor bellend begrüßt. Von klein bis groß, gold bis rot, gescheckt, gepunktet oder getigert, es war ein reiner Zirkus. 115 Hunde nennen diese Villa ihr Zuhause. Es gibt Hunde die bleiben nur 2 Wochen, manche 2 Jahre und manche ihr ganzes Leben. Wir haben sie alle kennen lernen dürfen und hatten einen harten Start. Unser Zimmer war verschimmelt, es roch überall nach nassem Hund und alles war sehr unhygienisch auf den ersten Blick. Die ersten 3 Tage waren der Horror für uns. Wir waren uns sehr sicher, hier nicht länger als einen Monat bleiben zu wollen. Es gibt sehr viele Regeln und unterschiedliche Hunderudel die sich über den Tag nicht begegnen durften. Hunde wohnten im Haus aufgeteilt auf sechs Räume, sie wohnten im Außengehege in 12 Käfigen, und manche wohnten dauerhaft draußen im Innengehege um das Haus herum.  Über den Tag wurde zwei mal gefüttert und geputzt. Dabei war die Fütterung eine ebenso große Herausforderung. Viele unterschiedliche Hunde bekamen unterschiedliche Mengen an unterschiedlichem Futter mit unterschiedlicher Medizin. Insgesamt brauchten wir drei ganze Wochen um alles zu verinnerlichen und reibungsfrei durchzuführen. Auch den Geruch nahmen wir nicht mehr war. Ich entfernte den Schimmel in unserem Zimmer und baute einen Tisch für Ragle.

Wir hatten uns integriert und eingelebt. Ragle wurde der Küchenchef und ich war das Mädchen für alles. Gefühlt habe ich in den acht Wochen unserer verbrachten Zeit das ganze Haus einmal durchrepariert.  Wir arbeiteten hart und das 5 Tage die Woche von acht Uhr früh bis zehn Uhr abends. Die schönste Belohnung war es aber zu sehen wie fast alle Hunde ihre Scheu verloren und regelmäßig Streicheleinheiten verlangten. Lasst mich euch aber einen typischen Tagesablauf beschreiben.

Meistens waren wir schon halb acht unten um in Ruhe einen Kaffee trinken zu können, bevor alle wach werden und die Nachtruhe vorbei ist. Im Wohnzimmer leben meist junge Hunde und viele ältere mit bestem Benehmen. Sie stören einen nicht beim Kaffeegenuß und wollten eher noch eine Streicheleinheit am Bauch bevor sie sich die Mühe machten aufzustehen. Ich muss euch allerdings nicht erzählen wie der Raum riecht und aussieht mit 20 Hunden nach 10 Stunden im Raum ohne, dass einer raus darf. Nachdem alle Stoffwechselendprodukte beseitigt waren ließen wir die ersten Hunde aus den Zimmern sowie aus den Käfigen. Das ganze wechselt dann um halb 9, so dass jeder Hund der im Haus lebt kurz sich die Pfoten vertreten konnte.

Der Käfigwechsel und Raumwechsel sind zwei unterschiedliche Zeitpläne die nicht verwechselt werden durften. Wir selbst haben viele Hundekämpfe erlebt, getrennt und auch Hunde begraben müssen die aufgrund von Krankheit oder einem menschlichen Fehler gestorben waren oder getötet wurden.

Pünktlich um neun war es Zeit für die Fütterung. In einer definierten Reihenfolge bekam jeder Raum, jeder Käfig und jeder Hund sein Essen. Auch mussten alle Hunde vorher aufgetrennt werden in eine definierte Konstellation. Auch die best befreundeten Hunde wurden wenn es um das Essen geht zu Feinden, daher war es enorm wichtig. Es gabe Hunde die konnten sich auf den Tod nicht leiden, während andere sich währen des Essens aus Neid an die Gurgel gehen würden. Vielleicht ist es ja jetzt ersichtlich warum wir drei Wochen brauchten um uns alles einzuprägen (ganz zu schweigen von den Namen der Hunde). 

Einen zweiten Kaffee und ein leckeres Frühstück gab es dann nachdem alle Hunde gegessen hatten. Natürlich waren wir nie allein dort. Wir haben während unseres Aufenthalts ein dutzend Menschen kennengelernt und waren teilweise mit neun Personen oder mal nur zu viert für alles verantwortlich. Nach dem Frühstück wurden die Aufgaben verteilt. Jede Etage im Haus, sowie der Balkon und ein Nebengebäude musste gefegt, gesaugt und zweimal gewischt werden. Die Käfige sowie alle Außenbereiche mussten von Kot gesäubert und aufgeräumt werden, alle Wasserschalen gefüllt, die Küche geputzt und 115 Schüsseln von der Fütterung gereinigt werden (ohne Geschirrspüler). Auch mussten alle Decken, Handtücher, Bettbezüge und Bettschoner kontrolliert, neu gespannt oder gewechselt werden (Hunde lieben es die Couch zu zerstören). Nach dieser ersten Putzwelle des Tages hatte jeder ein bisschen Zeit für sich und es mussten lediglich die Zeitpläne für das Wechseln der Ausgehzeiten auf die Spielwiese eingehalten werden. Nebenbei gingen wir im abwechselnd zur Mülltonne an der Straße um die täglichen 30kg Müll zu entsorgen. Ganz nebenbei musste noch die Wäsche gewaschen und aufgehängt werden. Wenn dann noch Zeit übrig war, nahmen wir uns meistens mehrere Hunde und gingen spazieren. Nach dem Mittag dann kam die schönste Zeit des Tages. Alle jungen Hunde und Welpen durften unter Aufsicht raus in die Sonne. Die älteren Hunde genossen die Sonne und dösten vor sich hin während alle jüngeren Hunde fleißig spielten, überall Löcher buddelten und generell nur Unsinn im Kopf hatten. Wie auch ein Baby in dem Alter musste alles in den Mund genommen werden und alles aus Plastik wurde generell für die Zahnpflege genutzt. Es war jeden Tag aufs neue eine Freude mit Welpen und jungen Hunden zu spielen und zu kuscheln. Gegen 17 Uhr wiederholte sich die Fütterung und die zweite weniger intensive Putzwelle kam. Danach kümmerten sich abwechselnd verschiedene Freiwillige um das gemeinsame Abendessen, andere nutzten die Zeit und gingen noch einkaufen. Allerdings keine Lebensmittel. Im Gegenzug zu unserer Arbeit fehlte es uns nichts. Der Kühlschrank war immer voll.

Halb 10 abends dann waren alle Hunde an ihrem Schlafplatz und mussten nicht mehr beaufsichtigt werden. Meistens saßen wir alle noch gemeinsam am Tisch, tranken Wein und Bier, hörten mal laut Musik oder redeten leise über den Tag und reflektierten die Ereignisse.

Hunde kommen nicht einfach als Straßenhund nach Hopeland. Straßenhunde gibt es tausende in Griechenland. Aber fast allen geht es sehr gut für die Verhältnisse. Wir haben selten unterernährte Hunde auf der Straße gesehen. Sie leben frei, werden aber überall gefüttert und oft auch kastriert und markiert.

Hunde in Hopeland kommen nur als Notfall. Sterbenskrank, hochschwanger oder verletzt. Auch kommen oft Hunde die eingeschläfert werden sollten. Es reicht wenn ein Hund nach einem Menschen schnappt um ihn einschläfern zu lassen. Es ist erst ein paar Jahre her, dass die Gesetzeslage angepasst wurde und nun Menschen die einen Hund grundlos töten oder quälen bestraft werden. Denn wie bei den Menschen ist für das Verhalten des Hundes meistens nicht der Hund selbst schuld, sondern die Besitzer oder andere böswillige Menschen.

Freudigerweise verabschiedeten wir auch viele Hunde die adoptiert wurden. Als Teil von einem gemeinsamen Netzwerk wurden während unserer Zeit dort viele Hunde nach Deutschland, Frankreich, Finnland und in andere europäische Länder transportiert. Gerade Welpen blieben oft nur ein paar Wochen.

Insgesamt blieben wir vom bis zum . Doppelt so lange wie wir eigentlich geplant hatten. Wir hatten uns verliebt in die Gemeinschaft mit all den kuschelbedürftigen Hunden und den tollen Menschen die uns in der Zeit dort begleiteten. Wir lernten sehr viel über das Verhalten von Hunden, über Alpha Tiere und ihre Rolle im Rudel, über Krankheiten und Symptome, über Vertrauen und Zeichen die ein Hund kommuniziert. Es war sehr hart zu gehen ohne einen Hund mitzunehmen, was heißt hätten sie am liebsten alle mitgenommen.

Falls einer von euch dieses private Tierheim (was keine staatliche Unterstützung bekommt, wie alle Tierheime in Griechenland) gerne direkt und ohne Umwege unterstützen möchte verlinken wir am alle nötigen Informationen. In den sozialen Netzwerken findet ihr Hopeland hier:


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Unsere Zeit in Griechenland

Griechenland empfing uns (anders als Albanien) mit warmen und sonnigem Wetter. Gleich unser erster Halt war ein kleiner versteckter Strand, welcher uns von Freunden empfohlen wurde. Wieder hatten wir absolutes Urlaubsfeeling: Wir beide alleine, klares blaues Wasser, Sonne und eine leichte Brise. Obwohl wir schon im letzten Monat des Jahres waren, reichte es (für uns Menschen aus dem Norden) für den Bikini und die Badehose. Jeder Einheimische, der zum Angeln an diesem Strand kam, war dicker angezogen, meist mit Pullover und einer dicken Jacke.

In Patras auf Peloponnes trafen wir uns mit Olaf und Daniel welche wir schon in Albanien kennen gelernt hatten. Zusammen fuhren wir an ein schönes Plätzchen abseits der Stadt und feierten den ersten Advent mit einem Lagerfeuer und traditionell selbst hergestellten Glühwein.

Unser nächster Halt war Athen, die Hauptstadt Griechenlands. Natürlich kamen wir hier um ein paar typische Touristen Aktionen nicht herum. Wir machten eine Stadtführung, besuchten die Akropolis und spazierten viel in der historisch geprägten Stadt. Der Verkehr war das reinste Chaos, Fahrrad fahren ist die gefährlichste Art der Fortbewegung. Wir trafen Sofie wieder (auch in Albanien kennen gelernt) und waren einen Abend gemeinsam unterwegs. Auch trafen wir Theano, eine Griechin die eine Zeit lang eine Kollegin von Ragle war.

Ein Highlight auf unserem Weg von Athen nach Thessaloniki war eine heiße Quelle. Schon meilenweit vor der Quelle dachten wir, die Eier wären faul geworden, aber der Schwefelgeruch kam aus der heißen Quelle und störte, wenn man erstmal im warmen Wasser war, überhaupt nicht mehr.

Wir waren nun kurz vor unserem dritten workaway. Ein Hundeheim in privater Hand. Es gibt dazu einen extra Artikel in der Übersicht. Es wurde immer kälter und wir erreichten unseren sicheren Hafen zum Überwintern mitte Dezember.

An unseren freien Tagen während unserer Zeit im Hundeheim unternahmen wir viel mit Markus, Sarah, Elsa und Daniel, welche nach und nach auch in die Region Thessaloniki kamen. Wir besuchten die berühmten 3 Finger süd-ostwärts von Thessaloniki und freuten uns über gemeinsame Abende mit Freunden am Lagerfeuer.

Seit Albanien haben wir einen sehr mobilen Freundeskreis gewonnen. Wir sind alle wie eine schwimmende Community, oder auch ein Schwarm von Leuten die über Länder und Landschaften kreisen, grob die selbe Bewegungsrichtung verfolgen und sich in unregelmäßigen Abständen und Konstellationen wieder treffen. Auch wenn das Reisen zu zweit für uns (zum Glück!) kein Problem ist, eher ein Segen, ist es schön Gleichgesinnte zu treffen, andere Meinungen zu hören, über Gott und die Welt zu diskutieren oder manchmal einfach in der Stille das ein oder andere vegane Kaltgetränk zu genießen. 😉

Wenn Ihr auch schon lange am Überlegen seid, so eine Reise oder ähnlich zu machen, kann ich euch nur ermutigen es zu tun. Es lohnt sich. Frei nach dem Motto: „Fang nie an aufzuhören und hör nie auf anzufangen“.


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Strand & Freunde

Nach Dubrovnik fuhren wir weiter Richtung Süden um bald schon die Grenze zu Montenegro zu überqueren. Obwohl der Oktober schon vorüber war, schien die Sonne und es waren jeden Tag bis zu 20 Grad. Dies führte dazu, dass wir von Montenegro eigentlich nur über die schönen Strände kennen gelernt haben. In diesem ersten Land außerhalb der EU mussten wir uns zum ersten Mal über Dinge wie mobiles Internet Gedanken machen. Wir waren sehr erschrocken über die Preise. Hier müssen Touristen noch tief in die Tasche greifen… So kauften wir uns eine SIM Karte mit 500 GB Datenvolumen für 5 (!) Euro und wunderten uns wie viel wohl die Montenegrianer für ihre Mobilfunkverträge bezahlen müssen ;). Ein weiterer Fakt über Montenegro ist, dass Deutschland in den meisten Dingen, das große Vorbild zu sein scheint. Nicht nur gab es damals hier die Deutsche Mark und jetzt den Euro als Währung, sondern auch alle Nummernschilder der Autos zum Beispiel entsprechen im Aufbau exakt dem deutschen Pendant.

Als wir ein paar Tage später die Grenze nach Albanien passierten hatte sich das Wetter verschlechtert und wechselte fortan zwischen Niesel- und Platzregen. Auf der Suche nach einem Einkaufsmarkt in der nächstgelegenen größeren Stadt verirrten wir uns dann zusätzlich in ein Zigeuner Camp. Wir hatten keine Zeit das zu realisieren als wir schon an brennenden Müll und Mülltonnen, in denen Ziegen, Katzen, Hunden und mittendrin kleine Kinder wühlten, vorbeifuhren. Schon bald war die Straße durch querstehende LKWs gesperrt sodass wir keine andere Wahl hatten außer eine 180 Grad Wende. Erschwert wurde dies durch circa 10 kleine Kinder mit dreckigen Gesichtern, die inzwischen unser Auto umzingelt hatten, gegen den Van klopften und uns unverständliche Dinge zuriefen. Seit diesem sehr speziellen Empfang verriegeln wir das ganze Auto bevor wir losfahren. Der Tag wurde allerdings auch mit dann verschlossenen Türen nicht besser. Noch sehr aufgeregt durch diese Begegnung wollten wir nur noch aus der Stadt raus, in die Natur, irgendwo entspannt einen Kaffee trinken, runterkommen und entscheiden wie es weiter geht. Doch auch zwei Stunden später war kein Waldstück in Sicht und entlang der Straße reihte sich ein Haus oder Grundstück nach dem anderen. Geplagt vom Hunger, schlechter Laune und Dauerregen mussten wir irgendwann von der Straße herunter um einen Platz für die Nacht zu finden. Wir hatten einen kleinen See gefunden der zumindest auf der Karte vielversprechend aussah. Alsbald wir die Hauptstraße verließen, verwandelte sich die Straße in einen frisch bombardierten Feldweg. Sowas wäre in Deutschland maximal als Schlechtwegestrecke für Testzwecke des TÜV zugelassen. Der tapfere T4 mühte sich trotzdessen bis zum besagte See. Ein schöne Grasfläche bot sich uns regelrecht an und wir waren erfreut endlich einen Platz im Grünen relativ müllfrei gefunden zu haben. Als wir mit der Vorderachse dann auf der Grünfläche waren fingen wir sofort an zu rutschen und standen bald mit allen vier Rädern im Lehm. Das war seit langem einer der besch******** Tage! Zwei Stunden später hatten wir mühsam Zentimeter für Zentimeter, das Auto mithilfe von Kies und toten Ästen wieder aus der Pseudogrünfläche heraus manövriert. Wir hatten dieselbe Menge Lehm wie Schweiß am Körper, der Bus war mehr braun als blau, gegessen hatten wir auch nichts ABER wir waren da endlich raus. Unsere erste Nacht in stark!

In Tirana angekommen wendete sich das Blatt langsam. Wir hatten eine große, gemütliche Wohnung für einen fairen Preis gebucht. Es war eine sehr lebendige Stadt. Der Verkehr war russisch ( ohne Spuren ). Ampeln waren Empfehlungen. Blinker gehören zur Sonderaustattung und alle lieben die Autos mit einem Stern auf der Haube. Das Essen war gut und günstig und die Leute waren nett und begeistert über jeden Touristen. Auch war meine Angst um das Auto und unsere Wertsachen völlig unbegründet. Nicht eine Sekunde hatte ich einen Anlass zur Unruhe oder einen Verdacht.

Nach unserem Besuch in Tirana, trennten sich unsere Wege für kurze Zeit. Ragle hatte einen lang geplanten Mädelstrip nach Wien und flog für ein verlängertes Wochenende dorthin. Ich verbrachte die Zeit in Durres an der Küste in einem Hostel und traf viele interessante Menschen mit denen ich eine wunderbare Zeit hatte. Wieder vereint setzten wir unsere Reise an der Küste Albaniens Richtung Süden fort und genossen es in vollen Zügen. Wir standen fast jede Nacht direkt am Wasser und es gab viele Strände die auch mit dem Auto erreichbar waren. ( Ganz im Gegensatz zu Kroatien übrigens. Dort reihte sich ein Zaun an den anderen am Strand und viele Strände waren nicht zugänglich. ) Jeden morgen wurden wir von der Sonne geweckt, die über dem Mittelmeer aufging und in unseren Van strahlte. So kam es auch dazu, dass wir bald viele Gleichgesinnte mit Van trafen, die es ebenso genossen, sich nicht mehr verstecken zu müssen. Wir haben in Albanien viele neue Bekanntschaften geknüpft. Viele sehen wir noch heute regelmäßig, da die Reiserouten fast immer identisch sind. Regelmäßig saßen wir abends am Lagerfeuer, aßen und tranken gemeinsam und hatten einen schönen Abend. Es war inzwischen schon November aber Wetter und Wasser war mehr als ausreichend für einen Sprung ins Meer. Alle Einheimischen an der Küste waren sehr nett und zuvorkommend. Der Besitzer der Strandbar Buona Vila konnte auch in der Nebensaison offen haben, da er jedem Camper erlaubte auf seinem Parkplatz zu parken, die Toiletten, Duschen, das WLAN zu benutzen, Müll zu entsorgen und an einem Stückchen Strand, was die Familie müllfrei hielt, baden zu gehen. Als Gegenleistung gingen wir in sein kleines Restaurant und genossen leckere Fischgerichte. Auch konnte er fließend Deutsch was uns erstaunte. Dieser Platz bleibt uns in Erinnerung und ist immer einen Besuch wert. Andi hatte ich schon in Tirana in einer Bar kennengelernt. Er empfahl mir nach Sarande zu kommen. Sarande ist eine Stadt im Süden Albaniens kurz vor der griechischen Grenze. Ragle und ich sowie mehrerer andere Camper verabredeten uns auf eine Treffen mit Andi in Sarande wo er uns in das American Blue einlud. Dort hatten wir alle gemeinsam einen schönen Karaoke Abend. Wieder eine Empfehlung von uns ist diese Bar. Eine kleine Community, bestehend aus Menschen von der ganzen Welt die in Sarande leben und arbeiten, betreibt diese Bar und sorgt für eine ganz spezielle Atmosphäre.

Nach dem wir Sarande verließen, fuhren wir ein Stück des Weges noch zusammen mit Markus und Sarah, einem Pärchen aus Hamburg. Wir verweilten ein paar Tage zusammen an einem kleinen Strand, umschlossen von Felsen. Das Wasser war blau und die Wellen spektakulär. Am Abend gab es dann sogar Stockbrot über dem Lagerfeuer. Spät in der Nacht dann bekamen wir dann beide Schüttelfrost und mussten uns übergeben. Wahrscheinlich hatten wir dreckiges Wasser getrunken. Das gute war, das Markus zufällig Apotheker und für solche Fälle bestens ausgestattet war. Vielen Dank nochmal an dieser Stelle. Dank seiner Medikation verloren wir lediglich einen Tag bevor wir unsere Reise Richtung Griechenland fortsetzen konnten.


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Von Bura bis Maja

Nach unserem Aufenthalt auf der Ziegenfarm dauerte es nicht lange bis wir Slowenien hinter uns ließen und nach Kroatien fuhren. Als erstes nahmen wir Kurs über Rijeka nach Pula und erkundeten die Halbinsel Istrien für ein paar Tage. Oft schon trafen wir hier auf Bura, den zornigen Wind an der Küste Kroatiens welcher orkanartig stark und ohne Ankündigung uns mehrmals in der Nacht geweckt hat.

Unser nächstes Ziel war Zagreb. Ich wollte meinen 30. Geburtstag dort feiern und es war wieder an der Zeit unsere Wäsche zu waschen. An meinem 30. Geburtstag dann wurde ich früh von Ragle mit einem Kuchen und schöner Dekoration geweckt. Ich danke allen die an dem Tag an mich gedacht haben und war tatsächlich den Vormittag damit beschäftigt, alle Geburtstagsgrüße entgegenzunehmen. Die meisten  erreichten mich per Videocall und so hatte ich Gelegenheit viele Freunde mal wieder zu sehen. Den restlichen Tag nutzten wir für einen ausgedehnten Spaziergang. Wir kehrten in ein schönes Restaurant und gingen abends noch ins Kino. Es war ein toller Tag ganz allein mit meiner Liebe. Nach dem schönen Wochenende nahmen wir Kurs auf Daruvar im Osten Kroatiens. Dort erwartete uns unsere nächste Station: ein privater Gnadenhof für alle möglichen Tiere, die meistens aufgrund von Krankheit keiner mehr haben wollte.

Bei Zeljka und ihrem Gnadenhof angekommen waren wir völlig überwältigt. Noch nie haben wir so viele unterschiedliche Tierarten gesehen die nicht nur friedlich miteinander, sondern auch gegenüber Menschen waren. Zeljka selbst war vor ein paar Jahren aus der Hauptstadt in das Land gezogen um mit ihrem gesparten Geld einen Gnadenhof zu errichten und zu gestalten. Leider verlor sie seit dem nicht nur ihren Lebenspartner, sondern auch ihr Haus. Durch alte überlastete Elektrik brannte dieses bis auf die Grundmauern nieder und nahm viele Tiere mit sich. Da sie keine Versicherung hatte, brauchte sie für den Neubau ihr ganzes gespartes Geld. Ein guter Nachbar half Zeljka, die im Dorf immer noch die Fremde aus der Stadt war, mit seinen Kontakten beim Hausbau aber als auch der verstarb war Zeljka ganz alleine mit ihren Tieren. Sie war und ist noch immer total überfordert mit allem. Dank workaway und vielen Sachspenden schafft sie es trotzdem ein Himmel auf Erden für die Tiere zu errichten und gönnt sich selbst nicht viel dabei. Es ist ein sehr trauriger Hintergrund, welcher uns sehr motivierte in der Zeit viel für die Tiere zu schaffen. Wir waren meistens auf uns allein gestellt, da Zeljka erst gegen 16 Uhr am Nachmittag aus dem Bett kam. Dafür hörten wir sie meisten noch spät in der Nacht arbeiten. Sie hatte einen sehr schrägen Tagesrhythmus. Wir genossen den Morgen mit den Tieren die immer draußen waren und den Nachmittag mit den Tieren, die im Haus lebten und den gleichen Schlafrhythmus wie Zeljka hatten. Zwischendurch säuberten wir den Hof von Stoffwechselendprodukten, fütterten die Tiere, machten Feuerholz und gingen mit den Hunden Spazieren. Insgesamt lebten dort 6 Hunde, 4 Katzen, 5 Schweine, 5 Enten, ein Hahn, ein Truthahn, ein Esel, eine Kuh, 6 Schafe und 2 Hasen. Nie im Leben werde ich mir alle Namen merken mit nur einer Woche Aufenthalt, aber jedes Tier hatte Namen und eine schöne Geschichte. Auch ließen sich alle Tiere bis auf die Hasen und die Schafe streicheln und suchten den Kontakt zu Menschen. Es war eine tolle Woche mit vielen Eindrücken. Aber seht selbst 🙂

Nach unserer Woche bei Zeljka und oft sehr kaltem Wetter, wollten wir so schnell wie möglich nach Split an die Küste. Wir fuhren dafür den kürzesten Weg durch Bosnien und Herzegowina. Schon in Dubrovnik hatten wir viel über den Bürgerkrieg gehört und gelesen der das ehemalige Jugoslawien vor 30 Jahren schwer zerrüttete. Noch heute ist Wandern in der Natur in bestimmten Bereichen dort mit Vorsicht zu genießen, da immer noch viele Landminen vergraben sind.


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Unsere Woche mit Anett…

Vor und nach unserer Weinernte im Osten waren wir viel in Slowenien unterwegs und entdeckten viele schöne Seiten. Angefangen haben wir direkt nach dem Karawanken Tunnel in Bled. Dieser zauberhafte Ort entzückte uns trotz eher mäßigen Wetters zu einem Spaziergang um den See mit dem hellblauen Wasser und der hübschen Insel in der Mitte. Ein Besuch hier lohnt sich immer. Auch gibt es in der Nähe viele natürliche Tunnelsysteme und Schluchten welche allerdings immer mit Eintritt sind. Nach Bled fuhren wir nach Lubljana um die Hauptstadt zu erkunden. Ragle hat auf eine ihrer vielen Konferenzen eine Slowenin namens Katja kennen gelernt. Katja lebt und arbeitet in Lubljana und führte uns durch die kleine hübsche Altstadt. Zur Krönung des Tages gingen wir mit ihr und ihren Freunden abends Burger essen und holten uns viele Tipps für unsere Zeit in Slowenien. Alle waren sehr nett und freundlich, sodass wir uns für das kommende Wochenende zu einem gemeinsamen Kinobesuch verabredeten. Am nächsten Tag fuhren wir zu dem sehr kleinem Stück slowenischer Küste (im Vergleich zu Kroatien) und erkundeten die Hafenstädte Koper und Piran. Nach ein paar Nächten an der Küste fuhren wir zurück zur Hauptstadt, mieteten diesmal ein kleines Zimmer und gingen mit Katja und ihren Freunden ins Kino um dann am nächsten Tag Richtung Branik zu fahren. Bis jetzt ist Slowenien unser kleiner Geheimtipp. DIe Leute sind überaus freundlich, reden aufgrund der Nähe zu Österreich mehr Deutsch als Englisch (zumindest die ältere Generation) und abseits von Touristenhochburgen ist alles bezahlbar. Hierbei ist allerdings zu erwähnen, dass wir nach wie vor in der Nebensaison unterwegs sind.  

Unsere Woche mit Anett

Endlich war es soweit. Schon lange hatten wir über das Portal einen Gastgeber gesucht. Das Prinzip dieser Community ist immer eine Win-Win Situation. Das zugrunde liegende Prinzip ist der Tausch von Arbeitskraft gegen Unterkunft, Verpflegung und manchmal auch Geld. Es ist so viel mehr als das! Man hat ein Zuhause für eine beliebige Zeit, kommt ein bisschen zur Ruhe, muss nicht jeden Abend einen Stellplatz suchen, das Auto hat eine Schonphase und man hat immer Gesellschaft, ob nun von Tieren oder von Menschen. Sprachen, köstiches lokales Essen, witzige Gespräche, Lebensgeschichten und Erfahrungen werden getauscht und alle haben meistens eine wunderbare Zeit. Das Tolle ist auch, das die meisten dieser Gastgeber selbst viel gereist sind, jetzt aber in einer Phase des Lebens sind, in der Verantwortung für Tiere zum Beispiel, das Reisen sehr schwer macht. Ein Weg zu Reisen, ist die Welt zu sich nach Hause zu holen und genau das ist, unserer Meinung nach, die Motivation für die meisten Menschen sich als Gastgeber anzubieten. Wir hatten eine kleine Käserei und Ziegenfarm gefunden die uns für eine Woche bei sich aufnahm. In Slowenien, nahe Branik und der italienischen Grenze besuchten wir für eine Woche lang den Bauernhof von Tom und Borut. Die beiden haben zwei sehr seltene Ziegen- und Schafarten und es sich zur Aufgabe gemacht das Überleben dieser zu sichern. Auch eine kleine Käserei betreiben die beiden. In einem kleinen Dorf welches zwischenzeitlich fast ausgestorben war, haben die beiden über Jahre hinweg ein 150 Jahre altes Steinhaus renoviert und zu ihrem Zuhause gemacht. Wir hatten von ihrer Terasse aus einen Blick von den Alpen bis zur italienischen Küste. Jeden früh gab es kurz vor sieben den ersten Kaffee bevor wir uns zum Melken auf das Karst Plateau begaben. Dort angekommen durften wir die rund 40 Ziegen und 20 Schafe aus ihrer Weidefläche zur mobilen Melkstation führen um sie dort um ihre Milch zu erleichtern. Dies war garnicht so einfach, denn oft hatten die Ziegen nicht das Melken im Sinn, sondern eher alle leckeren Blätter am Rand auf dem Weg. Die Ziegen in ihrem Verhalten erinntern uns sehr an Hunde, viele waren sehr bedürftig nach Streicheleinheiten und folgten einem auf Schritt und Tritt. Ganz besonders Anett. Sie hatte einen starken Bezug zu Menschen und war schon bald in unseren Herzen. Sie antwortete wenn wir sie riefen und genoss jede Streicheleinheit. Ganz im Gegensatz zu den Schafen. Die waren meistens in der Gruppe unterwegs, steckten immer die Köpfe zusammen und wollten mit Menschen eher nichts zu tun haben. Eins hatten allerdings alle gemeinsam: Mais war das absolute Leckerli. Nur allzuoft wurde ich beim Verteilen von Mais fast umgerannt. Nach dem Melken sind wir mit der gewonnenen Milch zurück gefahren um diese in die Kühlung zu bringen und erstmal zu frühstücken. Nach dem zweiten Kaffee am Tag kümmerten wir uns dann um die Hühner, die zwei Katzen und um ein Schaf mit einem gebrochenen Fuß im Stall. Den restliche Vormittag halfen wir im Garten, erkundeten neue Weideflächen, stellten neue Zäune auf, tauschten Batterien für die elektrischen Zäune, versorgten die Tiere mit Wasser und kümmerten uns um die Jungtiere, welche getrennt von den Elterntieren eine eigene kleine Weidefläche hatten.  Am Nachmittag dann war unsere Arbeit dann auch schon beendet und wir hatten Freizeit. Borut war ein Park Ranger in einem nahegelegenen Nationalpark während Tom sich tagtäglich um die Farm und um die Käserei kümmerte. Beide waren wunderbare Köche und hatten sehr guten Geschmack in Punkto Käse, Wein und Kaffee. Tatsächlich entdeckten wir dort auch unseren neuen Lieblingskaffee und ergatterten ein paar herrliche lokale Rezepte für traditionelles slowenisches Essen. Wir sind sehr dankbar für diese schöne Woche und spielten schon bei der Abreise mit dem Gedanken im nächsten Urlaub wieder zu kommen.




Unsere Lieblingsessen im Campervan

Aufgrund der Nachfrage von einigen wollen wir euch hier einen kleinen Einblick in unsere Küche geben. Damals in Hamburg nutzten wir unseren Ofen für viele Gerichte. Da wir diesen Luxus im Bus nicht haben mussten wir kreativ werden 🙂

Erstaunlicherweise sind wir inzwischen fast zu Vegetariern geworden. Zum einen erspart einen das fleischlose Kochen die ganzen Gerüche, ohne das Fett ist der Abwasch einfacher und oft wissen wir nicht wo das Fleisch, welches wir unterwegs kaufen, herkommt, was es schwierig für ein gutes Gewissen macht. Natürlich spielt auch der Kostenfaktor eine Rolle. Gutes Fleisch ist teuer und wir haben nunmal unser Limit.

Zwar wäre so ein schönes Steak ab und zu eine willkommene Abwechselung, aber auch ohne Fleisch kochen wir inzwischen sehr divers und haben ein Repertoire von Rezepten für über einen Monat unterschiedliche Gerichte im Kopf.

Die Zutaten dafür versuchen wir so oft wie möglich von lokalen Farmern zu kaufen. Auch kleine Stände neben der Straße haben sich als sehr billige und gute Quelle für Obst, Gemüse, selbstgemachte Öle und Marmeladen erwiesen. Am meisten freut es uns aber, das wir seit Kroatien Granatäpfel, Khakis, Mandarinen und Kiwis einfach neben der Straße pflücken können.

Ganz besonders in den Wäldern von Polen und Litauen haben wir viele Pfefferlinge sammeln können und hatten so die Gelegenheit leckere Pilzsauce zu kochen.

Jetzt kommt noch ein kleiner Überblick über verschiedene Gerichte die wir öfter im Bus kochen. Danke an Ragle an dieser Stelle für die Disziplin vor dem Essen noch an das Foto zu denken 😉

Einer unserer Favoriten zurzeit ist ein gefüllter Teig den wir in der Pfanne zubereiten können. Er ist relativ einfach herzustellen. Man nehme Mehl, Salz, Milch und Olivenöl und verknete es. Den Teig danach eine Stunde im Kühlschrank ziehen lassen und schon kann es losgehen.

Wir haben inzwischen viele salzige und auch süße Füllungen ausprobiert und es war jedesmal ein Traum. Bald wollen wir eine Art Pizza Calzone auf diese Art und Weise zubereiten. Ich bin gespannt 🙂




Ein Tag mit Corinna oder das Phänomen des Zufalls

Auf unserem Weg nach Linz waren wir an einem späten Nachmittag wie üblich auf der Suche nach einem Stellplatz für die Nacht. Das kann ganz schön knifflig sein. Natürlich wollen wir am liebsten ein bisschen weg von der Zivilisation um keinen zu stören, ein Wald mit entsprechenden Wegen zum befahren wäre schön, um abends ein Feuer zu haben. Auch ein Platz mit Aussicht auf einer Lichtung am Hang wäre klasse aber dann noch eine gerade Stelle zum Parken zu finden….unmöglich oder teuer. Gleichzeitig knurrt bei fortschreitender Stunde auch gerne mal der Magen, was sich auch auf die Stimmung auswirkt. Nur allzu oft waren wir kurz vorm Verzweifeln bevor wir dann am Ende doch ein hübsches Plätzchen erwischt haben. Zurück zu dem besagten Nachmittag.

Wir trafen am Ende einer dieser vielen kleinen Serpentinen in Alpennähe auf den Promberger Hof. Dort gab es zu unserer Freude auch einen kleinen Selbstbedienungsladen mit frischen Eiern von Hühnern welche gleich daneben im Außengelände ein glückliches Leben hatten. Nur interessehalber wanderte ich ein bisschen am Gehege entlang und entdeckte einen perfekten Stellplatz auf einer Wiese in der Nähe. Er war gerade, die Wiese trocken und die Aussicht fantastisch. Aber so dreist uns einfach da in die Nähe von einem Bauernhof auf die Wiese zu stellen waren wir dann doch nicht. Ich ging in einen angrenzenden Pferdestall und traf auf eine nette Frau welche uns den Besitzer dieser Wiese verriet. Dieser gab uns ohne zu zögern die Erlaubnis dort zu parken und erlöste uns von vielleicht einer weiteren Stunde mit suchen nach einem Übernachtungsplatz. Überglücklich parkten wir auf der Wiese und fingen an zu kochen. Begleitet wurde dies von dem Schauspiel eines herannahenden Gewitters. Gerade als wir mit dem Essen anfangen wollten kam uns die Frau aus dem Pferdestall besuchen, die natürlich mitbekommen hatte, dass wir letztendlich nicht zu Fuß, sondern mit einem großen weiß blauen Auto auf die Wiese gefahren sind. Diese Frau war Corinna. Sie brachte uns aus dem Nichts eine Flasche Weißwein, ein paar Kekse und eine kleine Sonnenblume. Wir hätten mit allem gerechnet aber nicht mit so einer Gastfreundschaft. Oft ist das ganze andersherum. Vielleicht zwei von 100 Reisenden mit umgebautem Transporter verhalten sich nicht ordnungsgemäß, sondern hinterlassen ihren Müll an Ort und Stelle. Ich muss euch nicht erzählen wie dann über alle anderen 98 automatisch gedacht auf, Schublade zu. Corinna allerdings war das egal. Sie selbst war früher viel auf Reisen und hat ihr Leben danach Tieren in Not gewidmet. Diese Verantwortung und der Wunsch zu Reisen lässt sich oft schwer vereinen, also holt man die Welt in Form von Reisenden eben zu sich nach Hause. Corinna ließ sich auch nicht davon abbringen uns am nächsten Tag frische Brötchen und selbstgemachte Marmelade zu bringen. Da beschlossen wir, einen Tag mit ihr und ihren Tieren zu verbringen. Auf ihrem kleinen Hof fanden viele Pferde, Hühner und ein Hund ihr zu Hause. Allesamt wurden von ihren ehemaligen Besitzern verstoßen und fanden ihr neues Zuhause in Corinnas Obhut. Ich begann den Tag damit das älteste Pferd zu striegeln dem ich je begegnet bin. Apollo war bereits 40 Jahre alt und total verrückt nach Äpfeln. Danach mistete ich den vormitag über Ställe aus und hatte nach einer Kaffeepause einen Einblick in die Arbeit eines Hufeisenschmieds. Zwischendurch gab es immer wieder kurze Streicheleinheiten für Higgins, Corinnas Hund. Wir hatten einen interessanten Tag zusammen und fuhren am Nachmittag weiter Richtung Linz.

Eine ähnliche Situation passierte uns ein paar Wochen später in Slowenien. Wieder kurz vorm Verzweifeln fanden wir eine frisch gemähte Grünfläche mit wunderbarer Aussicht. Auch die sehr nette Besitzerin fand ich durch Zufall, als ich Spaziergänger auf der Wiese ansprach und nach dem Besitzer dieser fragte. Sie gab uns die Erlaubnis dort zu parken und verriet uns den Standort ihres Wohnhauses für den Fall, dass wir etwas bräuchten. Wir waren erneut sehr angetan von der Offenheit und Herzlichkeit der Slowenen und hatten eine ruhige Nacht unter klarem Himmel. Am nächsten Morgen dann hörten wir, gerade als wir losfahren wollten, Schreie aus einem benachbartem Waldstück. Wir fuhren in die Richtung um zu sehen ob vielleicht jemand Hilfe brauchte. Wir trafen auf drei Fahrradfahrer die wir auf die Schreie ansprachen. Es stellte sich heraus, dass die Frau aus der Gruppe einfach Angst vor Bären hatte und diese bei Einfahrt in den Wald durch Lärm vertreiben wollte. Wir wurden aufgeklärt, dass Slowenien die Heimat von vielen Braunbären ist was uns im ersten Moment ein bisschen schockte, im zweiten dann aber schnell wieder auf den Boden brachte. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt bereits viele Nächte tief im Wald von Slowenien verbracht und nie eine Spur von Bären gesehen. Wir kamen dann mit allen drei Radfahrern ins Gespräch und erzählten den Leuten von unserer Reise, wo wir herkommen und schon waren. Diese empfahlen uns dann den Osten Sloweniens und seine Weinregionen. Nach weiteren fünf Minuten des netten Gesprächs stellte sich heraus, dass einer das Radfahrer aus genau dieser Region kam und dort einen Freund hatte, welcher selbst Wein produzierte. Er machte eine Anruf, ließ eine Flasche Wein für uns auf seinen Namen schreiben und reichte uns eine Karte mit der Adresse von seinem Freund Milan Hlebec in Kog. Da wir eh nichts wichtiges an diesem Tag vorhatten entschlossen wir uns spontan noch am selben Tag nach Kog zu fahren. Dort angekommen trafen wir auf ein hübsches kleines Hotel inmitten vieler Weinberge. Wir trafen Milan Hlebec senior der uns unseren Stellplatz mit Strom und Wasser hinter dem Hotel zeigte. Nachdem wir am Abend dann bereits ein Glas Wein verkosten durften, entschlossen wir uns spontan bei der Weinernte zu helfen. Den nächsten Tag über halfen wir fleißig beim ernten der leckeren Trauben, welche sofort danach zur nächstgelegenen Mosterei gebracht wurden. Als Dankeschön bekamen wir alle Mahlzeiten an diesem Tag sowie eine Packung mit verschiedenen Rot- und Weißweinen geschenkt. Freundlichkeit und Offenheit hat uns bis jetzt auf unserer Reise schon viele Türen für tolle Möglichkeiten geöffnet. Diese beiden waren die schönsten.




Ragle’s Geburtstag

Wir erreichten Österreich am Sonntag Nachmittag. Als erstes fielen uns die Farben der Flüsse auf. Viele hatten eine türkise fast eis-blaue Tönung und so konnten wir nicht wiederstehen eine Pause zu machen um unser Gebrauchswasser aufzufüllen. Da es schon spät war, schafften wir es nicht einen Platz für die Nacht zu erkunden und landeten auf einem überteuerten Campingplatz. Eine schöne Aussicht auf einen nahe gelegenen Bergsee und eine warme Dusche machten den Ärger über den Preis dann wieder wett. Nach dem Abendbrot gingen wir zeitig ins Bett um ausreichend Schlaf vor der geplanten Bergtour zu haben.

Am nächsten Morgen war es dann soweit. Ragle hatte Geburtstag und ich wollte sie mit einem schönen Frühstück überraschen. Ich stand ein bisschen eher auf, machte Kaffee und Pfannkuchen um diese dann ihr, mit zwei kleinen Kerzen, als eine Art „Ersatzkuchen“ zu schenken. Alle Zutaten hatte ich vorher unauffällig gekauft um nichts zu verraten. Es war passenderweise der Tag der Woche mit dem schönsten Wetter. So hatten wir ein leckeres Frühstück im Sonnenschein mit einer schönen Aussicht. Der beste Start für einen schönen Tag.

Für diesen besonderen Tag hatten wir uns die Vilsalpsee Runde ausgesucht. Die Rucksäcke voll mit Snacks, Wasser und dem traditionellen Gipfelbier starteten wir früh um die 17 Kilometer und 1000 Höhenmeter vor der Dämmerung zu bewältigen. Der Anfang war sehr steil wofür wir umso früher mit herrlichen Ausblicken belohnt wurden.

Unterwegs passierten wir ein älteres Ehepaar und wurden von jenem Pärchen wieder eingeholt. Wir haben einen schnellen Schritt und überholen normalerweise alle auf dem Weg aber nicht diese beiden. Wir begannen uns zu unterhalten und fanden heraus dass die beiden schon in ihren 60ern waren. Nicht nur war er mehrere Male auf dem Kilimandscharo, auch war es genau dieser Mann, mit der inzwischen künstlichen Hüfte, der vor 35 Jahren als erster mit einem Drahtesel auf der Zugspitze (2962) war. Das erklärte natürlich einiges. Wir bestiegen den Rest des Berges zusammen im Gespräch und erreichten bald den höchsten Punkt unserer Tour (2069m). Es fällt mir schwer die Aussicht mit Worten zu beschreiben und die Fotos spiegeln leider nur Momentaufnahmen. Wir hatten einen Blick auf drei Bergseen mit unterschiedlichen Höhen. Die beiden wanderten weiter um an einer nahegelegenen Hütte Rast zu machen, während wir unsere verdiente Brotzeit bei der schönen Aussicht genossen.

Obwohl wir den höchsten Punkt bereits erreicht hatten, waren wir erst bei einem drittel der Strecke. Auf unserem Abstieg, an jedem der drei Seen vorbei, trafen wir auf dasselbe Pärchen, welches uns jetzt zur Krönung des Tages und zum Geburtstag auf einen Kaffee und ein Stück Kuchen einlud. Danach machten wir uns garnicht mehr die Mühe uns zu trennen, sondern wanderten den Rest der Strecke gemeinsam. Bei einem netten Gespräch vergeht die Zeit wie im Flug.

Diesesmal hatten wir keine Gästestube gemietet, sodass wir die, über den Tag aufgewärmte, Dusche am Bus nutzten um uns zu waschen. Hätte man mich vor 3 Jahren gefragt ob ich irgendwann, auf einem kleinen Parkplatz in Österreich, splitterfasernackt, mich mit einer Solardusche abspritze, hätte ich denjenigen wohl ausgelacht. Heute bin ich froh, dass die Sonne das Wasser erwärmt hat. Normalerweise ist das Wasser kalt. Der Zweck heiligt die Mittel 😉




Die ersten zwei Wochen…

Nach dem wir bei Ann und Daniel gut gefrühstückt haben und reich mit selbstgemachten Dingen beschenkt wurden…

…nahmen wir Kurs auf Tartu. Dort besuchten wir eine Verwandte von Ragle bei einem Stück Kuchen mit einem Tee und wurden danach noch spontan von einem Freund in der Nähe eingeladen. Dort schliefen wir die Nacht auch nach einem herrlichen Saunagang. Danke nochmal an unseren Freund Siim für die spontane Gastfreundschaft.

Ich weiß.. das klingt alles überhaupt nicht nach großer Reise, Abenteuer und Wildcamping. Ich berichte euch darüber, weil es einfach mit dazu gehört. Es ist schwer loszulassen und zu akzeptieren, dass mal alle seine Freunde und die Familie für lange Zeit nicht sieht. Einfach einfach, solange bis man selbst vor der Entscheidung steht! 

Es sollte nun endlich losgehen und nach ein paar schönen Nächten in den Wäldern von Lettland und Litauen sowie einem kurzen Zwischenstopp an einem Campingplatz merkten wir ziemlich schnell wie schnell man viel Wasser verbraucht wenn man seine Gewohnheiten nicht ändert oder sparsamer wird. Wir haben nicht den Luxus eines 600 Liter Tanks unter dem Auto. Unsere Roadshower fasst grob 22 liter, der Tank in der Küche 12 liter und ein Reservekanister nochmal 20 liter. Es war für uns erschreckend wie viel Wasser gewöhnliche Dinge wie Hände waschen oder das Abspülen von Geschirr verbrauchen. Lektion gelernt!

Unsere Abende bestanden meist aus einer warmen Mahlzeit bei einem Lagerfeuer und einem Glas Wein. Wenn es an einem Abend mal keine Sterne gab oder es gar regnete, hatten wir zum Glück immer einen Sternenhimmel im Auto. Ich vermisste weder einen Fernseher, noch einen Computer, noch mein Handy.

Einfach ins warme Feuer zu schauen ist jedem elektronischen Bildschirm überlegen. 😉

Den ersten großen Zwischenstop, mit Aufenthalt in einem Gästehaus, hatten wir eine Woche nach dem Start in Petzer. Da wir unsere Wäsche nicht oder kaum selbst waschen können, kam uns die Waschmaschine der freundlichen Vermieterin sehr gelegen. Nach einer ordentlichen Dusche, einer Portion Schlaf und einem kräftigem Frühstück am nächsten Tag fuhren wir zu unserem eigentlichen Ziel: der Schneekuppe. Vor uns lagen 800 Höhenmeter welche wir innerhalb von anderthalb Stunden meisterten. Oben angekommen genossen wir die schöne Aussicht bei einem leckeren Gipfelbier. Es tat sehr gut nach den letzten Tagen mit vielen gefahrenen Kilometern, die Muskulatur mal wieder zu trainieren. Wieder unten angekommen ließen wir den Tag im Gästehaus mit einem leckeren Zucchini Risotto ausklingen.

Unser nächstes Ziel war Prag. Durch unser Budget zwar begrenzt wollten wir trotzdem einen Spaziergang in der Altstadt unternehmen und einmal die köstlichen Knödel probieren für die Tschechien so berühmt ist. Auf dem Weg dorthin trafen wir auf einen Badesee und viel leckeres Fallobst in der Nähe. Dieser Kombination konnten wir natürlich nicht widerstehen und so verbrachten wir den Tag am Strand und übernachteten in einem Waldstück in der Nähe.

In Prag angekommen ließen wir uns bereitwillig in den Strudel dieser wunderschönen Stadt reißen und spazierten viele Kilometer. Unsere Highlights waren eine Bierverkostung, Trdelník (eine Art Stock- oder Baumbrot aus Hefeteig) und Gulasch mit frischen Knödeln.

Gesättigt und mit schweren Beinen fuhren wir auch ein bisschen traurig am selben Tag noch weiter Richtung deutscher Grenze. Es kamen Erinnerungen an frühere Reisen hoch und groß war der Wunsch sich doch eine Woche in ein Hotel einzuquartieren um alle möglichen Winkel und Ecken der Stadt zu erkunden, Abends schön essen oder tanzen zu gehen. Man soll aufhören wenn es am schönsten ist und genau das haben wir getan. Wir hätten auch in der Nähe campen können aber das wäre über kurz oder lang nicht gut für unsere Reisekasse gewesen 😉

Nach einer Nacht mit Lagerfeuer im Grenzgebiet zu Deutschland erreichten wir Regensburg. Es hat eine wunderschöne Altstadt und wir hatten noch ein bisschen Zeit. Ich nutzte diese für einen Friseurbesuch und ein paar Einkäufe. Auch ein frisch gezapftes Märzenbier darf man sich nicht entgehen lassen. Nach einer weiteren Nacht im Wald zwischen Regensburg und München erreichten wir dann schließlich unseren zweiten größeren Zwischenstopp, die Internationale Automobil Ausstellung in München.

IAA Mobility 2021

An dieser Stelle kann es sein dass Schleichwerbung auftritt, das lässt sich allerdings nicht vermeiden und wir bekommen kein Geld dafür.

Es war nicht nur unser erstes Mal auf der IAA, sondern direkt das erste Mal als Aussteller. Wir waren Teil eines StartUp Unternehmens names PowerUp Technologies. Dieses inzwischen 25 Personen starke Unternehmen aus Tallinn in Estland hat sich in die Herstellung von Generatoren spezialisiert. Das Spezielle ist hierbei die Art der Stromerzeugung. Mithilfe von Wasserstoff und einer Brennstoffzelle werden bei dem Modell UP400 welches auf der IAA präsentiert wurde bis zu 400 Watt Strom erzeugt. Kleinere und größere Leistungsstufen (200W bis zu 6kW) sind in den Startlöchern.

Was sind die Vorteile:

  • Absolut geräuschloser Betrieb
  • Keine bewegliche mechanische Teile daher wartungsfrei
  • Keine Abgase oder keine Gerüche
  • Sehr leicht (10kg) und kompakt (Modell UP400)
  • Die erzeugte Leistung passt sich automatisch der geforderten an

Was sind die Nachteile:

  • Hohe Anschaffungskosten (ab €)
  • Versorgungsnetz für Wasserstoff sehr lückenhaft

Um das Problem der Versorgung zu lösen wurde auf der IAA auch das neuste Pilotprojekt vorgestellt: Die Wasserstoffspeicherkabine von PowerUP. Mithilfe dieser Kabine kann jeder über eine App neuen Wasserstoff beziehen indem man einfach die leeren Flaschen gegen volle tauscht. Sie wird in Zukunft überall in Europa zu finden sein, das ist zumindest das Ziel. Viele reden immer wieder über einen schlechten Wirkungsgrad bei der Herstellung von Strom durch eine Brennstoffzelle was bei der Verwendung in Automobilen auch stimmen mag, aber in einer stationären Verwendung sieht das ganze schon ganz anders aus. Was machen wir mit unserem ungenutzen Strom aus Photovoltaik Anlagen im Sommer? Warum nutzen wir die Energie nicht um mithilfe von Elektrolyse grünen Wasserstoff zu produzieren? Diesen nutzen wir dann im Winter für die Herstellung von Strom und Wärme. Das wäre ein Traum. Für diesen Traum steht die Firma PowerUP Technologies. Sie bieten diese Komplettlösungen bereits an und stehen mit ihrem ersten fertigen Produkt, dem UP400 kurz vor dem Übergang in eine richtige Firma.

Eins muss ich noch loswerden: Manchmal hat auch ein Elon Musk seine schwachen Momente.  Ich verstehe nicht warum viele der Meinung sind, dass diese Energieerzeugung mit Batterien direkt konkuriert. Beide Arten sind direkte und indirekte Antworten auf das Problem mit fossilen Brennstoffen und sollten nicht gegeneinander arbeiten. Ich sage das, da ich an diesem Wochenende viele Gespräche führen durfte und bei den meisten ging es genau um das Thema.

Alles in allem war es ein sehr interessantes Wochenende mit vielen neuen Eindrücken, Gesprächen und tollen Events. Wir beide glauben an diese Art der Zukunft und irgendwo muss man anfangen. Ich bin mir auch bewusst, dass wir beide in einem Van unterwegs sind der mit seiner Schadstoffklasse „schwarz“ natürlich genau das Gegenteil verkörpert. Leider spielt das Geld immer noch eine Rolle dabei. Ich würde mir liebend gerne eine Brennstoffzelle in den Bus bauen, aber für diesen Preis macht das noch keinen Sinn. Wir unterstützen diese Idee und die Firma trotzdessen um die Nachfrage zu steigern damit sich auch irgendwann der Preis auf ein „normales“ Niveau senkt. Falls ihr mehr darüber erfahren wollt schaut euch doch die kleine Firma mal an.